So oder so ähnlich klingen die harschen Statements mit denen der Zahnarzt tagtäglich konfrontiert wird. Und ehrlich gesprochen: Ich kann diese natürliche Abneigung sogar nachvollziehen! Er bohrt, er fräst, er spaltet, er beschleift und „reißt“ Zähne. Der Zahnarzt, er „spritzt ein“, brennt und füllt ab, er sondiert, rumpelt, schneidet auf und näht wieder zu… Ja, allein der geläufige Zahnarztjargon ist an brutaler Sprachgewalt nicht zu übertreffen. Zeiten von gnadenlosen Barbieren aus beginnender Neuzeit sind vorbei. Deren Handwerk konzentrierte sich ursprünglich auf das Haar- und Bartstutzen. Da das Berufsbild des Zahnarztes noch nicht geboren war, musste er hin und wieder umdisponieren und versuchte sich barb(a)ierisch an verzweifelten Zahnschmerzpatienten. Ein Ruf, der dem jetzigen Zahnarztberuf nacheilt?

Ja, sucht man den Arzt der Dentalgesundheit auf, hat man (wenn es nicht gerade der halbjährliche Check Up ist) zumeist Schmerzen, ein Ziehen oder Pochen, Probleme beim Beißen oder ‚wenigstens‘ ein abgebrochenes Stück Zahn. Der Ausblick auf die Behandlung lässt nicht unbedingt ein Handauflegen vermuten: Es bleibt weiter mehr oder weniger unangenehm. Bis dann, nach  einer hoffentlich überschaubaren Sitzungsanzahl, wieder Ruhe und friedlicher Stillstand einkehren kann. Bis zum nächsten „Quertreiber“ Zahnproblem.

Deshalb sollte die Devise sein, größere Schwierigkeiten im Mundraum über regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen und Zahnprophylaxe, erst gar nicht akut werden zu lassen. Was im Anfangsstadium abgewendet werden kann, schaltet im Vorfeld großes Zahnleid und Schmerzen aus. Viele Patientinnen und Patienten fürchten das völlige Ausgeliefertsein auf dem Zahnarztstuhl. Der Intimbereich Mund, oft mit Scham- und Versagensgefühlen verbunden, wird genauestens begutachtet und unterliegt einer gefürchteten Beurteilung über das häusliche und adäquate Putzverhalten, so die Denke nicht weniger Patienten.

Der Experte Zahnarzt wird viel eher in den Zusammenhang „stigmatisierender Denunziant“ gebracht als von einem „wohlwollenden Helfer und Begleiter“ auszugehen. Ein Verständnis, welchem ich mit Fleiß entgegen wirken möchte. Der hochsensible Mund- Kiefer- Kopfbereich ist so fragil, empfindlich und auf kleinste Flächen beschränkt, dass Vertrauen und ein offenes Sprachverhalten zum Behandler unbedingte Voraussetzung ist.

Wahrscheinlich gibt es kaum einen Arztberuf, der mit so viel Skepsis, Klischees und Misstrauen behaftet ist, wie der des Zahnarztes. Leider. Übt man, wie in meinem Fall, den Zahnarztberuf, mit Passion und maximaler Überzeugung zum Wohle des Patienten aus, kann diese Erkenntnis ziemlich frustrierend sein. Ihr Misstrauen in Zutrauen zu verwandeln, Negativerfahrungen durch Positiverfahrungen zu ersetzen, Unbehagen in Wohlgefühl umzugestalten, Angst in so etwas ähnliches wie Freude- oder zumindest Angstfreiheit zu verändern, stellt das Leitbild meines Wirkens dar.

Der Beruf bleibt, was er ist. Doch es gibt unterschiedliche Wege ihn mit Leben zu füllen. Anknüpfend an obige Ausführungen, kann Zahnarztsprache auch positiv konnotierte Begrifflichkeiten hervorbringen: Heilen, Helfen, Reparieren, Vorsorgen, Versorgen, Lindern, Optimieren…- ein Perspektivenwechsel, der mir weitaus besser gefällt.

Der persönliche Kontakt und Ihre persönliche Zufriedenheit sind meine Antriebsfeder. Nicht müde werdend, Sie weiter positiv trotz, nein, gerade wegen dieser vielfach diskutierten Berufssparte zu überraschen, bin und bleibe ich nach wie vor für ihr Vertrauen dankbar.

Ihre Dr. Mareike Pietsch