„Schrubb‘,schrubb‘ he, tut doch gar nicht weh…“

Kinder.

Sie schlafen nicht, wann sie sollten. Sie essen nicht, was wir wollten und hören nicht, wenn wir ratend zur Seite stehen. „Es ist nur zu deinem Besten“, begreift der kleine Sohn oder die kleine Tochter erst, wenn er/sie sich allmählich wieder aus der Hochphase der Pubertät schält, die sich dämonisch über den Wesenskern unserer Kinder gestülpt hat. Selbst zu junger Frau oder jungem Mann herangewachsen, erkennt man erst retrospektivisch, dass elterliche Weisungen nicht immer überflüssiges ‚Elterngeblubber‘ darstellte.

Die Kluft der Erwachsenendenke nähert sich erst mit fortschreitendem Alter dem soziokulturellen ‚must have‘ an. Bis dahin predigen wir in gebetsmühlenartigen Phrasen und hoffen, dass zum Verstand durchdringt, was von Kindesseite her als Schikane interpretiert werden könnte. Das Ansinnen meiner Vorrede bezieht sich stark darauf, was ich in meinem täglichen Praxisalltag erlebe: Zahnpflege, Zahngesundheit und eine gute Mundhygiene gehen Hand in Hand mit dem kooperativen Miteinander zwischen Kind und Eltern. Leider, leider handelt es sich dabei meist um ein Zwei- Fronten- Bild:

Die Kleinen wollen nicht putzen, die Großen resignieren.

Streit, Frust und lautstarke Auseinandersetzungen tragen nicht unbedingt dazu bei, dass Zähneputzen in attraktiveres Licht gerückt wird. Freilich, es ist hart täglich neue Diskussionen führen, permanent hinterher sein und kindliche Sturköpfe regelmäßig durchdringen zu müssen. Es erfordert ein nicht geringes Maß an Disziplin und einen langen Atem Kinder davon zu überzeugen, dass das ‚Zahncreme zuzeln‘ gegen kreisende Bewegungen eingetauscht werden sollte. Insbesondere das konsequente Dranbleiben, an jedem einzelnen Tag mindestens zweimal, ist die entscheidende Säule, die sich irgendwann als Zahnputzroutine für das Kind etabliert. Liebevolle Strenge in dem Zusammenhang wird Ihnen als Eltern gedankt werden. Spätestens dann, wenn beim ersten Loch im Zahn eine Behandlung mit Bohrer unumgänglich ist.

Schon vor dem ersten Zahn kann spielerisch der Mundraum immer wieder in den Fokus gerückt werden: Ob mit netten Aufsteckläppchen für den Finger zur Massage vom Zahnfleisch, Silikonbürstchen oder schwungvollen Zahnputzliedern als Hintergrundmusik, sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt. Alles, was den Attraktivitätsgrad von Zahnpflege steigert, ist erlaubt.

Ganz wichtig dabei ist: Holen Sie Ihre Kinder mit ins Boot!

Das Aussuchen der eigenen Zahnbürste, des eigenen Zahnputzbechers, sowie der Zahncreme macht viel Spaß. Auch der Zeitpunkt in eng gestecktem Rahmen („Möchtest du vor oder nach der Gute Nacht Geschichte Zähne putzen?“) signalisiert Wahlfreiheit im Kontext der Pflicht. Sanduhren speziell für den Putzvorgang wecken Spielfreude: Putzen Sie sich gegenseitig die Zähne, tanzen Sie und seien Sie vorallem ein gutes Vorbild. Spricht etwas gegen das Zähneputzen auf einem Bein? Nein! Auch auf phantasievollen Abwegen erreichen sie Ihr Kind. Meist sogar besser als mit der Methode ‚Schwitzkasten’. Was man gemeinsam tut, macht doppelt Freude. Der Kreativität sind dabei wirklich keine Grenzen gesetzt.

Mit dem Einbezug der Neigungen Ihrer Kinder, ist der Weg von der ‚Zahnputzhölle‘ in den ‚Zahnputzhimmel‘ kein weiter.

Bleiben Sie nur bitte dran! Denn kariöse Milchzähne können unter Umständen dem darunter liegenden Bleibenden schaden. Das wäre wirklich bitter, denn Nachlässigkeiten der Eltern werden ihre Kinder dann bis ins Erwachsenenalter begleiten. Das ist dann irreversibel. Es liegt mir fern, mit erhobenem Zeigefinger an Sie zu appellieren. Ich möchte mit Ihnen den Weg beschreiten, der Dentalhygiene in das Licht der positiv konnotierten Sorgfaltspflicht rückt. Vom negativen Schreckgespenst der Kinder (und somit auch Eltern), wenigstens hin zum geduldeten Statisten eines Disneyfilms: Unaufgeregt und positiv behaftet, im Hintergrund und ganz selbstverständlich mit dabei.

Wenn das Bild vom Kind stimmt, dass wir als Gärtner unsere Kleinen mit unserer Fürsorge ‚bewässern‘ und ‚düngen‘ , damit es zur großen Pflanze heranwachsen kann, werden Sie am Ende für Ihren Einsatz entlohnt werden. Säen Sie, trotz aller Aufwendungen! Sie werden dafür ernten!

Denn die Zahngesundheit Ihrer ganzen Familie ist mir nicht nur wichtig, sondern ein Herzensanliegen.

Ihre Dr. Mareike Pietsch